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Richard Herre

Richard Herre, geb. 1885, studiert Architektur in Stuttgart und München und knüpft bereits vor dem Ersten Weltkrieg enge Freundschaften mit Künstlern des Hölzel-Kreises und Protagonisten der Moderne wie Oskar Schlemmer und Willi Baumeister. Er ist Mitglied der Künstlervereinigung „Üecht“, die er publizistisch nach außen vertritt. Mit Richard Döcker, Hugo Keuerleber und Gustav Schleicher wird er zu einem Verfechter der Neuen Sachlichkeit.

Als Mitglied des Deutschen Werkbundes ist er an der Werkbundausstellung „Die Wohnung“ von 1927, der Stuttgarter Weißenhofsiedlung, beteiligt. Dafür steuert er zwar keinen Bau bei, verantwortet jedoch die Innenausstattung des Hauses von Max Taut, die als einfallsreicher Beitrag zur Moderne gilt.

Der Architekt Herre baut nur ein einziges Gebäude und konzentriert sich vor allem auf die Gestaltung von Interieurs. Dabei ist er stark von den Ideen Adolf Loos‘, aber auch von der ganzheitlichen Entwurfsidee des japanischen Wohnhauses beeinflusst. Er gestaltet die Inneneinrichtungen zahlreicher Privatwohnungen, Schulen und Geschäfte, des Robert-Bosch-Krankenhauses und des Stuttgarter Innenministeriums. Er entwirft dafür Möbel und Leuchten, aber auch Textilien und schafft so ganzheitliche Interieurs. Immer wieder ist er aber auch als Grafiker tätig, gestaltet Bucheinbände oder das berühmte Plakatmotiv zur Ausstellung „Die Form“ von 1924. Darüber hinaus verfasst er zahlreiche Essays und Gedichte und übersetzt Le Corbusiers „Modulor“ vom Französischen ins Deutsche.

Herre stirbt 1959. Sein vielfältiges Werk, seine ausdrucksstarken und klaren Entwürfe und sein engagiertes Wirken für die Ideen der Moderne werden erst in jüngster Zeit wiederentdeckt. Dazu hat vor allem sein Sohn Frank Herre beigetragen, der sich als Architekt intensiv mit dem Werk seines Vaters befasst. Aber auch Herres Enkel Max, der als Mitglied der Stuttgarter Hip-Hop-Band „Freundeskreis“ bekannt wurde, freut sich über die Wiederentdeckung seines Großvaters. Die Reeditionen von e15 sind die ersten Entwürfe Herres, die fast ein Jahrhundert nach ihrem Entstehen wieder produziert werden. Sie belegen, dass überzeugende Entwürfe der frühen Moderne noch immer perfekt in unsere Gegenwart passen.