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RICHARD HERRE COLLECTION

Mit der Richard Herre Collection setzt e15 seine Auseinandersetzung mit Entwürfen von Protagonisten der Moderne fort.

Der Stuttgarter Architekt, Innenarchitekt, Grafiker, Autor und Übersetzer Richard Herre wurde erst vor kurzem als wichtiger Vertreter der Neuen Sachlichkeit der 1920er-Jahre und als einflussreiche Figur des Stuttgarter Werkbunds wieder entdeckt. In enger Zusammenarbeit mit der Herre Familie und den Archiven legt e15 den Stuhl STUTTGART und den Kelim ZET neu auf. Die Objekte, die 1926 gestaltet wurden, veranschaulichen die Polarität zwischen den Formen der Neuen Sachlichkeit und einer expressiven Farbigkeit und machen zugleich den Raumbezug seiner Entwürfe wieder erlebbar.

Die Richard Herre Collection wird als Teil der Sonderausstellung „Richard Herre“ vom 29. November 2019 – 01. März 2020 im Stadtpalais Stuttgart ausgestellt.

Stuhl STUTTGART

Den 1926 entworfenen Stuhl STUTTGART zeichnet eine deutliche Geometrie aus die der rationale Ästhetik von Richard Herre inne wohnt. Mit seiner charakterstarken, geschwungenen Rückenlehne, die aus massivem Holz gefräst ist, verkörpert STUTTGART hohe Handwerkskunst und eine zeitlose Eleganz. Der Stuhl ist in gewachster europäischer Eiche oder gewachstem Nussbaum erhältlich und lässt sich durch austauschbar Sitzpolster optional mit Sitzen in Stoff, Leder und Wiener Geflecht bestücken. Als ein Entwurf von überzeugender Modernität und Präsenz kann STUTTGART als anspruchsvoller Dining-, Executive- oder Besucherstuhl eingesetzt werden.

Kelim ZET

Kelim ZET besitzt eine grafisch klare und farblich ergreifende Gestaltung, die den Geist der Neuen Objektivität der 1920er Jahre widerspiegelt. Entworfen 1926 fand ZET Verwendung in Wohnung in der Weissenhof Siedlung und verdeutlicht eindrucksvoll Richard Herres außergewöhnlichen Einsatz von Farben sowie seine einfallsreiche Innenraumgestaltung. In enger Zusammenarbeit mit der Herre Familie und basierend auf Erkenntnissen aus den Archiven legt e15 das Design neu auf. Kelim ZET, der in verschiedenen Farbkombinationen erhältlich ist, wird aus purer, handgesponnener Schafswolle hergestellt und vereint somit traditionelles Webhandwerk mit historischer Gestaltung.

Richard Herre

Richard Herre, geb. 1885, studiert Architektur in Stuttgart und München und knüpft bereits vor dem Ersten Weltkrieg enge Freundschaften mit Künstlern des Hölzel-Kreises und Protagonisten der Moderne wie Oskar Schlemmer und Willi Baumeister. Er ist Mitglied der Künstlervereinigung „Üecht“, die er publizistisch nach außen vertritt. Mit Richard Döcker, Hugo Keuerleber und Gustav Schleicher wird er zu einem Verfechter der Neuen Sachlichkeit.

Als Mitglied des Deutschen Werkbundes ist er an der Werkbundausstellung „Die Wohnung“ von 1927, der Stuttgarter Weißenhofsiedlung, beteiligt. Dafür steuert er zwar keinen Bau bei, verantwortet jedoch die Innenausstattung des Hauses von Max Taut, die als einfallsreicher Beitrag zur Moderne gilt.

Der Architekt Herre baut nur ein einziges Gebäude und konzentriert sich vor allem auf die Gestaltung von Interieurs. Dabei ist er stark von den Ideen Adolf Loos‘, aber auch von der ganzheitlichen Entwurfsidee des japanischen Wohnhauses beeinflusst. Er gestaltet die Inneneinrichtungen zahlreicher Privatwohnungen, Schulen und Geschäfte, des Robert-Bosch-Krankenhauses und des Stuttgarter Innenministeriums. Er entwirft dafür Möbel und Leuchten, aber auch Textilien und schafft so ganzheitliche Interieurs. Immer wieder ist er aber auch als Grafiker tätig, gestaltet Bucheinbände oder das berühmte Plakatmotiv zur Ausstellung „Die Form“ von 1924. Darüber hinaus verfasst er zahlreiche Essays und Gedichte und übersetzt Le Corbusiers „Modulor“ vom Französischen ins Deutsche.

Herre stirbt 1959. Sein vielfältiges Werk, seine ausdrucksstarken und klaren Entwürfe und sein engagiertes Wirken für die Ideen der Moderne werden erst in jüngster Zeit wiederentdeckt. Dazu hat vor allem sein Sohn Frank Herre beigetragen, der sich als Architekt intensiv mit dem Werk seines Vaters befasst. Aber auch Herres Enkel Max, der als Mitglied der Stuttgarter Hip-Hop-Band „Freundeskreis“ bekannt wurde, freut sich über die Wiederentdeckung seines Großvaters. Die Reeditionen von e15 sind die ersten Entwürfe Herres, die fast ein Jahrhundert nach ihrem Entstehen wieder produziert werden. Sie belegen, dass überzeugende Entwürfe der frühen Moderne noch immer perfekt in unsere Gegenwart passen.

Richard Herre, 1958
Foto: Archiv Richard Herre